Winter 2023

14. Februar 2023 Hirtshals

Hirtshals ist die Hafenstadt in Dänemark, von wo Fähren nach Norwegen und nach Island abfahren.

Morgen um die Mittagszeit geht unsere Fähre nach Kristianssand. Die Überfahrt dauert gute 3 Stunden.


Aber vorerst sind wir noch unterwegs und planen, den zentralen Campingplatz in Hirtshals anzu-fahren, von dem es nur gerade 5 Minuten bis zum Fährterminal sind.

Zu unserer Überraschung ist der Platz geschlos-sen und wir weichen auf einen kleineren Platz in der Nähe aus.


Dann fahren wir auf die Fähre und suchen uns eine ruhige Ecke, in welcher wir etwas für uns sein können. Aber das ist nur mit Mühe möglich. Ständig gehen Passagiere auf und ab. 

Sylke verbringt die Zeit mit Zeichnen und ich lese.

Am nächsten Morgen lassen wir uns viel Zeit für ein gemütliches Frühstück.

Danach fahren wir in die Stadt und stellen das WoMo auf einen Parkplatz, von wo aus wir noch etwas dem Strand entlang gehen können.

Es ist bereits 16 Uhr als wir die Fähre in Kristiansand verlassen und es beginnt auch schon zu dunkeln.


Wir fahren noch ein Stück weit die 9 ins Landes-innere und suchen uns einen möglichst ruhigen Nachtplatz.

Wo es in Dänemark keinen Schnee gab, sind wir jetzt inmitten einer wunderbaren Schneeland-schaft.


Dann bereitet Sylke ein kleines, aber leckeres Abendessen zu. 

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16. Februar 2023

Die Nacht war kalt. Jetzt ist zwischen den Wolken auch blauer Himmel zu sehen und die Landschaft gewinnt gleich nochmals an Schönheit.


Die Strassen sind schneebedeckt und wir gewöhnen uns schnell wieder ans Fahren auf Eis und Schnee.


Wir können uns nicht sattsehen und "schiessen" ununterbrochen Bilder.

In Røldal auf 400 müM übernachten wir.

17. Februar 2023

Unser heutiges Ziel ist Bergen. Die Stadt ist bekannt für die vielen Regentage, nämlich 245 pro Jahr.

Bergens Ruf eilt ihm voraus. Je näher wir Bergen kommen, desto dichter wird die Bewölkung und schon bald regnet es und der Schnee ver-schwindet.

Wir fahren durch unzählige Tunnel, teils neu und hell ausgebaut, dann aber auch nur grob be-hauene und schlecht beleuchtet.


Bis Bergen verwenden wir dreimal eine Fähre, um nicht jeden Fjord umfahren zu müssen.

Auf der Fähre werden die Nummernschilder fotografiert und die Verrechnung der Überfahrt erfolgt via einem Konto. Manchmal, aber selten geht der Kontrolleur davon aus, dass wir auch Norweger sind, besonders wenn er das Nummernschild von vorne betrachtet. Dann ist die Überfahrt kostenlos. Sonst sind es etwa 100 Kronen, was etwa 8 Franken entspricht.

Etwa die Hälfte der Fähren werden elektrisch betrieben. Dies ist anhand der Ladestationen bei der Einfahrt in den Landungssteg ersichtlich.

Für Überfahrten, welche etwa 30 Minuten dauern, scheint dies heute die wirtschaftlichste Lösung zu sein.

Um 2 Uhr erreichen wir Bergen und denken, bis nach Bryggen zu fahren - und tatsächlich finden wir einen Parkplatz in etwa 15 Minuten Entfernung.


Mit Schirm, was sich wegen des böigen Windes bald als Hindernis erweist, und mit Regenjacken machen wir uns auf den Weg.


Das Hanseviertel Bryggen (norwegisch, dt. Landungsbrücke) besteht aus den ehemaligen Handelskontoren der Hanse in Bergen. Die Hanse-kontore nehmen fast das gesamte nordöstliche Ufer der Bucht Vågen ein.

Nachdem die Stadt Bergen, im Jahre 1070 gegründet, ein zunehmend wichtiger Umschlag-platz für getrockneten Fisch aus dem Norden des Landes und Getreide aus dem Ostseeraum geworden war, errichtete die Hanse dort im Jahr 1343 eine erste Handelsniederlassung. Da Kontore keine selbständigen Mitglieder der Hanse sein konnten, wurde die Niederlassung der Hansestadt Lübeck untergeordnet. 1365 wurde die Deutsche Brücke dem Hansetag unterstellt. Das Hansekontor, zusammengesetzt aus über zwanzig neben-einanderliegenden Höfen, wurde schnell zu einem kompletten Wohn- und Handelsviertel. Zur Blütezeit machten die deutschen Kaufleute (Bergenfahrer) und Handwerker ein Viertel der Stadtbevölkerung Bergens aus. Um Brände in dem eng gebauten Viertel zu vermeiden, waren alle Gebäude unbeheizt. Die einzigen geheizten Räume befanden sich in den rückwärtig gelegenen Schötstuben, welche den Hansekaufleuten auch als Versam-mlungs- und Gerichtsraum dienten.

Beim grossen Brand im Jahr 1702 wurden fast alle Gebäude, die grösstenteils aus Holz gebaut waren, vernichtet. Es folgte jedoch ein Wiederaufbau im alten Stil. 1901 wurde ein Teil der südlichen Häuserzeile abgerissen und in Ziegelbauweise, aber mit den Giebeln im alten Stil neu errichtet. Seit dem Zweiten Weltkrieg, in dessen Folge alles Deutsche in Norwegen recht unbeliebt war, wird die Deutsche Brücke im Allgemeinen nur noch Bryggen genannt. In der Nachkriegszeit wurde das Viertel vernachlässigt, und bei einem Brand 1955 wurden erneut grosse Teile von Bryggen zerstört. Etwa die Hälfte der aus dem Jahr 1712 stammenden Gebäude ging verloren. Nach jahrelangen Diskussionen – zur Debatte stand auch ein Abriss der erhalten gebliebenen 62 Häuser – kam es ab 1965 jedoch zur Wiederherstellung unter Leitung des Architekten Hans Jacob Hansteen.



Ein Bild aus dem Internet

Bei einem Zwischenhalt geniessen wir Blaukäse mit Birnen und Cracker.


Von der warmen Küste kommen wir allmählich wieder in kältere Gefilde mit Schnee. Die Wolken weichen der Sonne.

Aug in Aug mit dem Elch ...


...und Blick aus den schmutzigen Fenster.

18. Februar 2023

In der Nacht hat sich der Regen zu Eis gewandelt.


Unser nächstes Ziel ist Ålesund. Bis dorthin sind es etwa 500 km, wenn wir nicht die Schnellstrasse wählen.

Auch werden wir wieder einige Fjorde überqueren.

19. Februar 2023  

Heute geht es nach Florø, der westlichsten Stadt Norwegens. Sie liegt zwischen Bergen und Ålesund.

Entstanden ist die Stadt 1860 wegen des „Silbers der Meere“, des Herings, den die Stadt auch im Wappen trägt.

Haupterwerb der Einwohner ist der Fischfang und auch die Exploration von Erdgas und Erdöl. Westlich von Florø erstreckt sich ein grosses Feld für die Förderung von Erdöl. Ausserdem besitzt der Ort eine grosse Werft.





Aber vorerst sind wir noch auf der Strasse unterwegs.

In den Fjorden sind immer weider Fischzucht-anlagen zu sehen - wahrscheinlich handelt es sich um den bei uns erhältlichen Norwegen-Lachs.



Seit den 1970er Jahren wird Lachs geschäftlich gezüchtet. Die ersten Lachsfarmen wurden in Norwegen eingerichtet.

Die NZZ schrieb am 23.11.2022: 

«Lachs-Aquakultur hat sich in Norwegen nach Erdöl und Erdgas zur zweitwichtigsten Export-industrie entwickelt und bricht einen Rekord nach dem anderen. Das hat die Begehrlichkeit der Regierung geweckt. Sie möchte "Überprofite" abschöpfen und ins Gemeinwesen leiten. Doch dieser Schuss könnte nach hinten losgehen.

An Norwegens Küste herrscht Unruhe. Salmar, eines der grossen Unternehmen in der Lachs-zucht-Branche, hat dieser Tage 851 Angestellte seiner Verarbeitungsbetriebe brieflich darüber informiert, dass sie per Anfang 2023 für mindestens ein halbes Jahr von der Arbeit freigestellt würden. »


Norwegens Exporte betrugen 2021 nahezu 4 Mio Tonnen. 


Bild NZZ

Die Fahrt führt uns durch wunderbare Täler und über Höhen, dank dessen, dass wir nicht die schnelle Hauptroute gewählt haben. Das Erlebnis ist eindrücklich.

Dann erreichen wir Florø. In der Küstenstadt liegt kaum Schnee und es ist auch nicht besonders kalt. Der Golfstrom wärmt auch hier noch.


Wir stellen uns an den Hafen. Es kümmert niemanden, dass wir hier übernachten. Weit und breit sind keine anderen WoMos zu sehen, im Gegensatz zum Sommer, wo die Schilder "Camping Forbidden" zu beachten sind.

Nach einem Kaffee und ein paar leckeren Kleinigkeiten brechen wir auf, um die trostlos wirkende Stadt zu besichtigen. 

Nach einer guten Stunde, bei eisigem Wind, kehren wir zurück.



20. Februar  2023

Wir erwachen und ein Blick aus dem Fenster bestätigt was wir in der Nacht gehört haben: Dachluke, Motorhaube und die Strassen sind mit Graupel bedeckt.


Wir sehen, wie die Hurtigruten Nordkapp anlegt und jetzt, während wir frühstücken, legt sie wieder ab und fährt südwärts. Der nächste Hafen wird Bergen sein



Noch einen letzten Blick auf den Hafen und auch wir legen ab. Heute wollen wir Ålesund erreichen.




Sobald wir die Berge verlassen und an die Küste kommen, wird das Wetter wie immer schlechter. 

Wir verschieben den Stadtrund auf morgen, es soll morgen sonnig sein.


Ich brate die Auberginen im Freien und Sylke bereitet eine Polenta zu. Zusammen mit einer Flasche Rotwein geniessen wir das Abendessen.

In der Nacht erwachen wir. Der Sturm heult ums WoMo und schüttelt es. Wir stehen ganze vorne an der Waterkant, um einen freien Blick aufs Meer zu haben. Die unruhige Nacht ist der Preis dafür. Andere WoMos stehen ganz hinten an der Felswand. Die erleben das Campen nicht so authentisch wie wir.

21. Februar 2023

Irgendwann sind wir dann wieder eingeschlafen und als wir um 8 Uhr aufwachen, hat sich der Sturm gelegt und die Sonne scheint.


Wir frühstücken und machen uns dann gleich auf, um die Stadt zu besichtigen.

Die Stadt wurde unter anderem mit Hilfe vom Deutschen Kaiserreich wieder aufgebaut. Kaiser Wilhelm II., ein grosser Norwegenverehrer, ordnete die sofortige Hilfslieferung von Lebensmitteln, Medikamenten und Baumaterialien an. Er schickte vier Schiffe der Kaiserlichen Marine zur Kata-strophenhilfe, finanziert aus seinem Privat-vermögen. Die entladenen Schiffe dienten den durch den Brand obdachlos gewordenen Menschen vorübergehend als Notunterkunft. 

Durch den Wiederaufbau ist Ålesund berühmt für die vollständig im Jugendstil errichtete Innenstadt. Nach einem Erlass durften neue Häuser nur noch aus Stein gebaut werden. Innerhalb von nur sieben Jahren war der grösste Teil von Ålesund neu errichtet. Aus Dankbarkeit für die schnelle Hilfe ist eine der Hauptstrassen nach Kaiser Wilhelm benannt und wurde das Kaiser-Wilhelm-II.-Denkmal errichtet. Ein Ausflugsdampfer in der Bucht trägt heute noch seinen Namen und ein Kirchenfenster in der Hauptkirche zeigt das preussische Wappen.

Ålesund ist bekannt für seine Jugendstilarchitektur und gilt als das kulturelle Zentrum der Region.


Bei dem Stadtbrand von Ålesund wurde in der Nacht zum 23. Januar 1904 fast die komplette Innenstadt zerstört. Ausgelöst durch eine umgekippte Petroleumlampe in einer Margarine-fabrik brannte das Feuer über 16 Stunden lang. Rund 850 Häuser – alle nahezu komplett in Holzbauweise errichtet – wurden vollständig zerstört und über 10'000 Einwohner wurden obdachlos.


Die ehemalige Svaneapotek (Schwanenapotheke) befindet sich in Ålesund. Sie wurde nach dem grossen Brand von Ålesund im Jahre 1904 gebaut und ist eines der bedeutendsten Beispiele des Jugendstils in Norwegen. Sie soll im Jahr 1908 eröffnet worden sein.

Passenderweise heisst auch die Strasse Apoteker-gata.

Bis 2001 diente es als Apotheke. Seit 2003 befindet sich darin das Jugendstilcenter mit Museum und „Time Machine“, die einen zurück ins Jahr 1904 führt, als die Stadt abgebrannt ist.




Nach einer guten Stunde kehren wir durchfroren ins WoMo zurück und wärmen uns mit einem Kaffee, bevor wir weiterfahren.


Den nächsten Halt planen wir in Molde.

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