So eine schreckliche Nacht hatte ich schon lange nicht mehr. Ich schlief erst nach Mitternacht ein und war dann bereits um 4 wieder wach.
Die Zeit habe ich mit Lesen und Googeln totge-schlagen.
Um 9 bin ich losgefahren.
Das heutige Ziel ist der Askja Kratersee.
Der Weg führt über die F910, eine zwischendurch ruppige Strecke. Nach 4 Stunden und 90 Kilometer erreiche ich das Ziel - müde.
Zweimal überquere ich den wilden Fluss Jökulsá á Fjöllum. Beide Mal über Brücken, die ich zuerst öffnen muss.
Der Jökulsá á Fjöllum ist der zweitlängste Fluss Islands und vor allem für seine Wasserfälle bekannt. Er ist 206 Kilometer lang und erstreckt sich von seinen Quellen im grössten Gletscher Europas, dem Vatnajökull, bis zum Grönlandmeer.
Das Land, durch das der Jökulsá á Fjöllum fliesst, wurde durch Vulkanausbrüche und Gletscher-fluten dramatisch verändert. Besonders hervorzu-heben sind die Jökulsargjlúfur-Schlucht, die vermutlich durch eine Reihe katastrophaler Vulkanfluten entstanden ist, und das Lavafeld Ódáðahraun, ein riesiges Lavafeld, durch das ich gleich fahren werde.
Allmählich kommt das Ziel näher. Aber die richtig harte Strecke liegt noch vor mir. Der Weg führt über Lavaplatten.
Zweimal komme ich an WC-Häuschen mitten im Nichts vorbei. Im Nationalpark ist für alles gesorgt.
Jetzt bin ich in Drelki angekommen. Es ist eine Ranger-Station mit Camping und Hütten. Hierhin werde ich nach dem Besuch des Askia zurückkehren.
Von hier aus sind es nochmals 8 Kilometer bis zum Parkplatz, von wo aus die einstündige Wanderung zum Askja Krater startet.
Während dem Gang zum Krater bietet eine Rangerin Informationen an. Wir sind nur 3 Interessenten.
Askja ist ein 50 km3 grosser Einsturzkrater im abgelegenen Teil des zentralen isländischen Hochlands. Sein Name bezieht sich auf einen Komplex, eine Box, eine Kiste oder einen Karton und begründet sich dadurch, dass es einige solcher Krater in den Dyngufjöll-Bergen gibt. Die Berge entstanden während der Eruptionen unter einer Eiskappe während der Eiszeit. Askja formte sich etwas später während eines Ascheausbruchs zum Ende der letzten Eiszeit, wodurch das Dach der Magmakammer einstürzte.
Zum Askja-Krater gehören einige Vulkane, darunter Islands bekanntester Vulkan Víti, dessen Name ‚Hölle‘ bedeutet. Víti ist ein explosiver vulkanischer Krater, in dem sich Wasser gesammelt hat, das etwa 30°C warm ist. Deshalb wurde der Krater zu einer beliebten Badestelle, aber die Ranger empfehlen ihn nur, wenn man sich vorher genau darüber informiert hat. Der Weg hinunter ist ebenfalls sehr rutschig, insbesondere bei nassem Wetter.
Von der Rangerin erfahre ich auch, dass die Temperatur des Sees dauernden Schwankungen unterworfen ist.
Noch vor 3 Tagen wurden 6° gemessen, aktuell ist er 19° warm. Das bedeutet, dass die Magmakammer unter dem See unter hohem Druck steht. Das würde sich immer relativ schnell ändern und irgend wann würde er dann auch wieder ausbrechen.
Er wird sehr ausführlich seismisch überwacht.
Ich begebe mich etwas weg von den Leuten und starte meine Drohne für ein paar schöne Bilder.
Dann fahre ich zurück zur Ranger-Station, um dort zu übernachten.
15. August 2023 Ásbyrgi
Die Nacht war ruhig, ich erwache früh, gerade als die Sonne um 4 Uhr aufgeht.
Gestern habe ich mich noch bei der Rangerin nach dem Zustand der Strecke F88 erkundigt. Früher habe ich gehört, war sie wegen den tiefen Furten schwierig zu befahren .
Sie hat das WoMo angeschaut und gesagt: "It's ok, you have a snorkel".
Also fahre ich heute die F88 - ich bin gespannt.
Der Himmel gegen Westen ist klar, im Osten ziehen Wolken auf.
Nach etwa einer Stunde erreiche ich die Herðubreið-quellen.
Gerade als ich auf den Parkplatz fahre, kommt ein fröhlicher Ranger auf mich zu und begrüsst mich. Er bedankt sich für das Anhalten hier und ent-schuldigt sich lachend für die vielen Fliegen.
Die Herðubreiðarlindir Quellen sind eine Oase im Lavafeld Ódáðahraun in Island. Dieses Gebiet liegt etwa 5 km östlich des namens-gebenden Tafel-vulkans Herðubreið im Norðurland eystra. Die Quellen hier sammeln sich in der Lindaá, die dann in die Jökulsá á Fjöllum mündet.
Seit 1974 stehen Herðubreiðarlindir Quellen unter Naturschutz. Sie liegen nördlich vom grössten Gebiet des Vatnajökull-Nationalparks, gehört aber selber nicht dazu. Der Ferðafélag Akureyrar unterhält die die Hütte Þorsteinsskáli. Die Öskjuleið F88 verläuft durch dieses Gebiet. Das ist die Hochlandpiste von der Ringstrasse zur Askja im Hochland. Etwa 100 m neben der Hütte soll im 18. Jahrhundert zeitweise Fjalla-Eyvindur gelebt haben. Er war der bekannteste Geächtete Islands und errichtete seinen Unterschlupf über einer kleinen Quelle.
Nach dem Durchqueren von ein paar kleineren Furten, zum Aufwärmen gedacht, stehe ich jetzt vor der grössten Furt in dieser Region.
Ich steige aus und schaue mir das an. Aber etwas besonderes ist nicht zu erkennen.
Auf der gegenüberliegenden Seite steht ein Dacia Duster, ein kleines Allradfahrzeug, dass hier sehr verbreitet ist. Die Passagiere stehen wartend daneben.
Bestimmt sind sie unsicher und warten darauf bis jemand kommt und es ihnen vormacht.
Inzwischen ist auch noch ein Radfahrer gekommen.
Er stellt sein Rad ab und durchwatet den Fluss an der Stelle, wo eine Signalleine gespannt ist. Darunter soll man in keinem Fall überqueren.
Nachdem die Drohne positioniert ist, starte ich.
Der Wasserwiderstand ist spürbar grösser als bisher und es scheint mir, als stünde mir das Wasser bis zur Schulter. Aber das queren ging problemlos.
Die beiden Leute gegenüber applaudieren als ich den Fluss verlasse. Haben sie jetzt vielleicht Mut gefasst? Ich hoffe nicht.
Als ich vorhin das Video angeschaut habe, konnte ich sehen, dass das Heck bis zur Mitte des Nummernschilds im Wasser stand. Das sind 78 cm.
Beachtet den Radfahrer im Video.
Später durchfahre ich wieder Lavafelder. Mir gefallen die bizarren Formen, welche die träge fliessende Lava beim Erkalten gebildet hat.
Solche grosse Lavagebilde mussten beim Strassen-bau abgetragen werden.
An anderen Stellen ist die Lava als Platten ausge-bildet, die man zum Teil überfahren muss.
Es ist wieder der Jökulsá á Fjöllum, der mich auf der Strecke begleitet.
Und plötzlich sehe ich Gräser am Pistenrand. Nach 4 Stunden konzentrierter Fahrt komme ich ans Ende dieser kargen Sand- und Lavawüste.
Man muss sich vorstellen, dass alles woraus diese Insel ist und was auf dem Boden liegt, Lava ist. Vor 20 Mio Jahren war nichts, keine Insel.
Auf der Oberfläche sehen wir grosse Felsbrocken, die mit ungeheurer Wucht ausgestossen wurden und viele Kilometer durch die Luft flogen. Aber auch kleine Stücke, bis hin zum feinen Sand und zur Asche.
Und an vielen Stellen hat sich Leben angesiedelt.
Es ist bald 1 Uhr, Zeit für Mittagessen.
Da wo die F88 in die Ringstrasse mündet, halte ich an, unweit des Myvatn. Sofort werde ich von lästigen Fliegen angefallen.
Ich flüchte ins WoMo und schliessen das Fliegen-gitter an der Türe.
Einen Moment später staune ich über die vielen Fliegen (oder Mücken?), die am Gitter rumkrabbeln.
20 Minuten später schaue ich nochmals hin und sehe, dass sich die Zahl vervielfacht hat.
Wie komme ich da raus aus dem WoMo, ohne dass danach alle Fliegen drinnen sind?
Ganz in der Nähe ist der Myvatn, was soviel wie Mückensee heisst. Den werde ich wenn möglich übermorgen besuchen.
Im Internet finde ich dazu eine Erklärung:
Es gibt tatsächlich viele Mücken am Myvatn-See, was auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist. Erstens bietet die Umgebung des Sees mit ihren Feuchtgebieten und Wasserflächen einen idealen Lebensraum für Mückenlarven. Diese schlüpfen aus den Gewässern und entwickeln sich zu erwachsenen Mücken.
Zweitens ist das Klima in Island während der Sommermonate, wenn die meisten Touristen den Myvatn-See besuchen, relativ mild. Die Tempera-turen sind angenehm, und es gibt ausreichend Niederschlag, was wiederum das Wachstum von Mückenpopulationen begünstigt.
Darüber hinaus gibt es am Myvatn-See eine hohe Anzahl von Brutvögeln, die als Nahrungsquelle für die Mücken dienen.
Die Mückenlarven ernähren sich von den organi-schen Substanzen, die von den Vögeln ins Wasser gelangen, und entwickeln sich dann zu Erwach-senen
Es ist wichtig zu beachten, dass die Mücken-populationen am Myvatn-See stark schwanken können und von verschiedenen Umweltfaktoren abhängen. In manchen Jahren können die Mückenplagen sehr intensiv sein, während sie in anderen Jahren weniger stark ausgeprägt sind.
Dennoch sollten Besucher des Myvatn-Sees darauf vorbereitet sein, dass es viele Mücken gibt und entsprechende Massnahmen ergreifen, um sich vor den Stichen zu schützen.
Jetzt stehe ich auf dem Asbyrgi Camping. Ich melde mich via Internet für zwei Tage an, nachdem ich mich vergewissert habe, dass es eine Wasch-maschine hat. Einen Trockner gibt es nicht, dafür aber ist es windig.
Morgen um 8 Uhr 30 werde ich mit Waschen beginnen.
Was ich am Nachmittag sonst noch gemacht habe, ausser einem Nachmittagsschläfchen, seht ihr hier.
Für die letzten Tage auf Island, ich gehe am 23. auf die Fähre, habe ich keine besonderen Abenteuer mehr geplant. Ich will nur noch die Schönheiten des Landes geniessen.
Diese 3 Packungen mit Apfelsaft haben der ruppigen Strecke nicht standgehalten. Eine davon ist leck geworden. Jetzt heisst es noch die Ladefläche auszuräumen und zu putzen.
Zur Belohnung gibt es nach der Arbeit ein leckeres Essen:
Spaghetti al Pedrooo
(mit Garnelen, Kapern, Pinienkernen, Knoblauch und Olivenöl)
Während ich die Wäsche aufhänge, hüpft eine Bachstelze (stimmt das?) unbekümmert um mich herum und pickt Fliegen und Mücken vom Gras.
So sehen die Verpackungen des Apfelsafts nach 200 Kilometer Allradstrecke aus. Eine davon wurde leck.
16. August 2023 Ásbyrgi, Tag 2
Heute ist Wasch- und Putztag.
Weil es keinen Trockner hat, spanne ich die Wäscheleine.
Etwas später, als die Sonne warm scheint, lege ich noch das Duvet über die Campingstühle und sonne es.
Dann kommt der Rest dran. Ich kämpfe gegen den Staub und Sand.
Aber irgendwann merke ich, dass ich dem hier nicht gewachsen bin. Immerhin ist der gröbste Schmutz im Inneren entfernt und das Bett frisch bezogen.
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